Kurz gesagt
Die Schumann-Resonanz steigt nicht. Die Schumann-Resonanz ist ein natürliches elektromagnetisches Phänomen im Hohlraum zwischen Erdoberfläche und Ionosphäre, dessen Grundfrequenz seit dem Beginn der Messungen in den 1960er-Jahren stabil bei rund 7,83 Hz liegt.2 Sie schwankt täglich nur zwischen etwa 7,8 und 8,0 Hz. Ein dauerhafter Anstieg auf 30 oder 40 Hz ist in keiner Messreihe belegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anstieg ist ein Mythos. Die Grundfrequenz der Schumann-Resonanz liegt seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1960ern stabil bei rund 7,83 Hz, ohne dauerhaften Aufwärtstrend.
- Sie schwankt, sie steigt nicht. Die Frequenz bewegt sich in einem schmalen Band von etwa 7,8 bis 8,0 Hz. Der größte Effekt ist der 11-jährige Sonnenzyklus, und der verschiebt sie um nur rund 0,1 Hz, reversibel.
- Die „40 Hz“ sind ein Missverständnis. Was manche in Diagrammen als aufsteigende Erdfrequenz lesen, ist das obere Ende der Frequenzachse oder ein höherer Oberton, nicht die wandernde Grundfrequenz.
- Ein „Ausschlag“ ist Amplitude, nicht Frequenz. Ein heller Fleck im Spektrogramm zeigt mehr elektromagnetische Leistung, meist mehr Blitze, nicht eine neue Frequenz der Erde.
Schumann-Resonanz und der Anstieg auf einen Blick
| Frage | Kurze Antwort |
|---|---|
| Steigt die Schumann-Resonanz? | Nein. Die Grundfrequenz liegt seit den 1960ern stabil bei rund 7,83 Hz |
| Wie stark schwankt sie? | Nur etwa 7,8 bis 8,0 Hz, täglich und mit dem Sonnenzyklus (rund 0,1 Hz) |
| Steigt sie auf 40 Hz? | Nein. „40 Hz“ ist das obere Ende der Diagramm-Achse oder ein Oberton, nicht die Grundfrequenz |
| Was bedeutet ein „Ausschlag“? | Mehr elektromagnetische Leistung (Amplitude), meist mehr Blitze, keine höhere Frequenz |
| Verändert ein Anstieg das Bewusstsein? | Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis, und die Grundfrequenz steigt ohnehin nicht |
| Wer misst sie? | Observatorien wie Tomsk; die populären Diagramme stammen teils von der Interessengruppe HeartMath |
Was behauptet wird, wenn es heißt „die Schumann-Resonanz steigt“
In esoterischen Foren, auf Social Media und in Produktwerbung taucht dieselbe Erzählung immer wieder auf: Die Grundfrequenz der Erde erhöhe sich von 7,83 Hz auf 30, 40 oder noch mehr Hertz, und das sei ein Zeichen für einen kollektiven Bewusstseinssprung, ein „Erwachen“ der Menschheit. Als Beleg werden fast immer bunte Diagramme mit hellen Spitzen gezeigt, oft aus der Messstation Tomsk oder von HeartMath. Die Idee ist eingängig, weil die Schumann-Resonanz gern „Herzschlag der Erde“ genannt wird. Ein schneller werdender Herzschlag klingt nach Aufbruch. Nur passt das Bild nicht zu den Daten.
Bevor wir die Behauptung prüfen, kurz die Grundlage: Die Schumann-Resonanz ist eine stehende elektromagnetische Welle im Hohlraum zwischen der leitfähigen Erdoberfläche und der unteren Ionosphäre, angeregt durch die weltweit rund 50 Blitze pro Sekunde.1 Mehr dazu steht in unserem Überblick zur Schumann-Resonanz. Die entscheidende Frage hier ist eng: Bewegt sich die Grundfrequenz nach oben?
Was die Messungen zeigen: eine flache Grundfrequenz
Die Antwort der Physik ist klar. Seit die Schumann-Resonanz in den 1960er-Jahren durchgehend instrumentell aufgezeichnet wird, liegt die Grundfrequenz nahe 7,83 Hz. Eine Auswertung langer Messreihen in der Fachzeitschrift Atmosphere bestätigt: Es gibt keinen dauerhaften Aufwärtstrend, nur kleine, reversible Schwankungen.2 Stand 2026 hat sich an diesem Bild nichts geändert.
Die Frequenz ist nicht starr, sie atmet in einem schmalen Band. Tag und Nacht verändern die Ionosphäre und verschieben den Wert leicht innerhalb von etwa 7,8 bis 8,0 Hz. Der größte langfristige Einfluss ist der 11-jährige Sonnenzyklus. Er verschiebt die Grundfrequenz um lediglich rund 0,1 Hz, und zwar hin und zurück, nicht dauerhaft nach oben. Von einem Anstieg kann also keine Rede sein; der Wert pendelt leise um seinen Mittelwert.
Woher die „40 Hz“ wirklich kommen
Wenn jemand ein Diagramm zeigt, auf dem oben „40 Hz“ steht, dann verwechselt er in aller Regel zwei Dinge. Ein Schumann-Spektrogramm bildet nicht eine einzelne Frequenz ab, sondern einen ganzen Frequenzbereich auf der senkrechten Achse, meist von 0 bis 40 Hz. Die „40 Hz“ sind also schlicht das obere Ende dieser Achse, eine Beschriftung des Diagramms, keine Messung der Erdfrequenz.
Dazu kommt: Die Schumann-Resonanz hat nicht nur die Grundfrequenz, sondern auch höhere Obertöne bei ungefähr 14, 20, 27 und 34 Hz. Das sind keine exakten Vielfachen, und sie sind ganz normaler Bestandteil des Phänomens, seit es gemessen wird. Wer einen dieser Obertöne für eine „neue, gestiegene Frequenz“ hält, sieht in Wahrheit etwas, das schon immer da war.
Ein „Ausschlag“ ist Amplitude, nicht Frequenz
Der zweite Denkfehler betrifft die hellen Spitzen. Ein Spektrogramm färbt jeden Punkt nach seiner Leistung ein: Je heller, desto mehr elektromagnetische Energie in diesem Frequenzband. Ein greller „Ausschlag“ heißt also, dass gerade mehr oder nähere Blitze den Hohlraum anregen oder die Ionosphäre gestört ist, nicht, dass die Grundfrequenz nach oben springt. Die Farbe zeigt Stärke, nicht Tonhöhe.4
Zwei weitere Muster werden oft fehlgedeutet: Schwarze senkrechte Balken sind fehlende Daten, ein Ausfall der Messtechnik, kein „Stillstand“ der Erde. Sehr helle senkrechte Streifen stammen meist von lokalen Blitzen nahe der Station. Wie man ein solches Diagramm korrekt liest, erklären wir Schritt für Schritt unter Schumann-Resonanz aktuell. Kurz: Ein Ausschlag ist ein Wetterereignis am Himmel, keine Botschaft an das Nervensystem.
Warum sich der Mythos so hartnäckig hält
Der Anstiegsmythos lebt von drei Zutaten. Erstens sind Spektrogramme für Laien schwer zu lesen, und eine Farbspitze wirkt dramatischer als eine flache Linie. Zweitens werden viele der populären Diagramme von HeartMath verbreitet, einer Organisation, die eine These vom globalen „Herzkohärenz“-Feld vertritt. HeartMath ist damit eine Interessengruppe, keine neutrale geophysikalische Instanz, und ihre Deutung geht über das hinaus, was die Messungen hergeben. Drittens verkauft sich die Geschichte gut: Geräte, Meditationen und „Frequenz“-Produkte klingen wertvoller, wenn die Erde selbst gerade „hochschaltet“.
Fachleute sind hier eindeutig. Die Aktivität im Schumann-Spektrogramm folgt Blitzen und Ionosphäre und hat keinen nachgewiesenen Bezug zu einem „Massenbewusstsein“.4 Und selbst zur allgemeinen Wirkung auf den Körper fällt das Urteil nüchtern aus: Es gibt wenig bis keine Belege, dass die Schumann-Resonanzen das biologische Leben messbar beeinflussen.5 Niemand muss darüber spotten; es genügt, die Bilder richtig einzuordnen.
Was daraus folgt
Die Schumann-Resonanz ist echte, gut vermessene Geophysik, und genau deshalb lohnt es sich, sie nicht mit Deutungen zu überladen. Sie steigt nicht, sie schwankt in engen Grenzen und wird von Blitzen angetrieben, so wie es der deutsche Physiker Winfried Otto Schumann 1952 vorhergesagt hat.3 Wer sich fragt, ob die Frequenz Schlaf, Stimmung oder Wohlbefinden beeinflusst, findet die geordnete Evidenzlage in unserem Beitrag zur Wirkung der Schumann-Frequenz. Die kurze Version: reale Physik, aber unbewiesene Gesundheitsversprechen, und ein Anstieg, den es schlicht nicht gibt.
Zuletzt geprüft: Juli 2026.
Häufige Fragen
Steigt die Schumann-Resonanz wirklich?
Nein. Seit dem Beginn der Messungen in den 1960er-Jahren liegt die Grundfrequenz stabil bei rund 7,83 Hz. Sie schwankt täglich nur zwischen etwa 7,8 und 8,0 Hz und wird über den Sonnenzyklus um rund 0,1 Hz verschoben, reversibel. Einen dauerhaften Anstieg auf 30 oder 40 Hz zeigt keine Messreihe.
Warum sehen viele in Diagrammen 40 Hz?
Weil 40 Hz meist das obere Ende der Frequenzachse eines Spektrogramms ist, also eine Beschriftung der Grafik, nicht die gemessene Erdfrequenz. Außerdem hat die Schumann-Resonanz höhere Obertöne bei rund 14, 20, 27 und 34 Hz. Diese existieren seit jeher und sind keine neue, gestiegene Grundfrequenz.
Bedeutet ein Ausschlag, dass die Frequenz steigt?
Nein. Ein Spektrogramm färbt jeden Punkt nach seiner Leistung ein. Ein heller Ausschlag zeigt mehr elektromagnetische Energie, also meist mehr oder nähere Blitze, nicht eine höhere Frequenz. Schwarze senkrechte Balken sind fehlende Daten, helle Streifen stammen von lokalen Blitzen.
Hat der Sonnenzyklus die Schumann-Frequenz erhöht?
Der 11-jährige Sonnenzyklus ist der größte langfristige Einfluss, doch er verschiebt die Grundfrequenz um nur etwa 0,1 Hz, und zwar hin und zurück. Das ist ein kleines, reversibles Pendeln um denselben Mittelwert, kein Anstieg. Über Jahrzehnte bleibt der Wert nahe 7,83 Hz.
Beeinflusst eine steigende Schumann-Resonanz Schlaf oder Bewusstsein?
Die Grundfrequenz steigt nicht, und für eine Wirkung auf Schlaf, Stimmung oder Bewusstsein gibt es keinen belastbaren Nachweis. Fachliche Einschätzungen sprechen von wenig bis keiner Evidenz, dass die Schumann-Resonanzen das biologische Leben messbar beeinflussen. Die Datenlage im Detail steht in unserem Beitrag zur Wirkung.
Woher kommt der Mythos vom Anstieg?
Aus fehlgedeuteten Spektrogrammen und aus der Verbreitung durch Interessengruppen wie HeartMath, die eine These vom globalen Bewusstseinsfeld vertreten. Eine Farbspitze wirkt dramatisch, und ein „Erwachen“ verkauft sich gut. Geophysikalisch folgt die Aktivität aber nur Blitzen und Ionosphäre.
Quellen & Hinweis
- Wikipedia. Schumann resonances. en.wikipedia.org ↩
- Toledo-Redondo S, et al. Study of Schumann Resonances and the influence of the solar cycle on the fundamental frequency. Atmosphere. 2022;13(1):38. doi:10.3390/atmos13010038 ↩
- NASA Scientific Visualization Studio. Lightning Reverb (Schumann resonance). svs.gsfc.nasa.gov ↩
- Wikipedia. Schumann Resonances Conspiracy Theories. en.wikipedia.org ↩
- BBC Sky at Night Magazine. Schumann resonances explained. skyatnightmagazine.com ↩
Quellen abgerufen über NASA, MDPI Atmosphere, BBC und Wikipedia. Dieser Beitrag ist informativ und ersetzt keine medizinische Beratung. Zuletzt geprüft: Juli 2026.